25 Aktuelle Trends für den Forschungsworkflow. Eine Übersicht von Bianca Kramer und Jeroan Bosman

2015-01-19

Über Twitter verbreitet sich heute eine Übersicht, die sehr anschaulich aktuelle Trends digitaler Wissenschaft an der gesamten Entwicklungslinie eines wissenschaftlichen Forschungs- und Kommunikationsprozesses abbildet. Die Abbildung ist Teil einer Posterpräsentation von Bianca Kramer und Jeroen Bosman, die unlängst auf Figshare publiziert wurde:

Kramer, Bianca; Bosman, Jeroen (2015): 101 Innovations in Scholarly Communication – the Changing Research Workflow. figshare. http://dx.doi.org/10.6084/m9.figshare.1286826.

Da das Poster und damit auch die Grafik wunderbarerweise unter einer CC BY SA-Lizenz stehen, können wir sie hier ebenfalls bedenkenlos dokumentieren:

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Übersicht Wissenschaftstrends / Bianca Kramer, Jeroan Bosman (2015)

Von der (1) Formulierung der Forschungsfrage bzw. der Identifikation von Forschungsgegenständen mittels „Social Discovery Tools“ über eine (2) datenbasierte Auswertung, dem (3) kollaborativen Verfassen des Forschungsnarrativs, der (4) Publikation auch von Forschungsdaten nach Open-Access-Standards, der (5) Dissemination per Social Media (wobei das diesbezügliche Hauptmedium Twitter nicht „scholarly“ ist, sondern die Sphären der Diskurse und Kommunikationen quer vermischt – womöglich ein weiterer Trend), bis hin zur (6) altmetrischen Evaluation, findet sich hier also die gesamte Bandbreite dessen, was auch vor allem die Digital-Humanities-Forschung inklusive passender Herausforderungen und Unsicherheiten („willingness to share“) kennzeichnet.

Selbstverständlich greifen viele der Anwendungen ineinander. So brauchen z.B. Altmetrics die Social-Media-Streuungen derzeit notwendig als eine Datengrundlage. Ein bisher selten thematisierter Aspekt im Fu-PusH-Kontext ist das Detail des „reader-side paper formatting“ (Publication / Chances), worunter vermutlich eine Anpassung der Formatierung an jeweilige Darstellungsmedien und -vorlieben verstanden werden kann.

Dass dagegen das disruptive Potential auf der Publikationsstufe im Umgehen der traditionellen Verlage als zentrale Veröffentlichungsagenten liegt, bestätigt sich auch in vielen unserer Interviews. Dies liegt aber nicht zuletzt daran, dass WissenschaftlerInnen auch in den Geisteswissenschaften mit der Kombination von schrumpfenden Dienstleistungsspektrum (z.B. Streichung des Lektorats), maximaler Rechteabtretung an den Verlag, Druckkostenzuschüssen und vergleichsweise hohen Verkaufspreisen nicht mehr klaglos mitgehen wollen. Selbst eine nach wie vor vorhandene vergleichsweise intensive Treue zum Verlag als natürlichem Partner der Wissenschaftspublikation wird durch diese Kombination von Zumutungen mit der Zeit ausgehöhlt.

Für alternative und digitale Publikationsszenarien in den Geisteswissenschaften ist dieser Umstand eigentlich die beste Voraussetzung. Die Herausforderung des Standards (Publication / Challenges) stellt sich da allerdings nicht allein auf der Ebene des Zugangs, sondern auch innerhalb der Disziplinen. Alternative Publikationsformen müssen auch innerhalb der jeweilige Community als vollwertige wissenschaftliche Publikationen anerkannt werden, was momentan nur bedingt der Fall ist. Der Verlagsname öffnet bisher in geisteswissenschaftlichen Disziplinen häufig erst noch den Weg zum „Assessment“ (und reicht oft bereits für die Reputationsbildung), wo diese Qualitätsberwertung ganz traditionell in der klassischen Form der Rezension als „Post Publication Peer Review“ geschieht.

Ein weiterer für die Geisteswissenschaften eventuell sogar mehr als für andere Wissenschaftsbereichte relevanter Aspekt dürfte das „semantic tagging while writing / citing“ sein (Writing / Opportunities), wobei die Daten anreichernde oder erweitertende Annotation selbst sogar stärker noch Teil der Analyse ist. Dieses Forschungshandeln ließe sich auch sehr gut mit der Erwartung „more online analysis tools“ (Analysis / Expectations) zusammenführen. Damit wäre dann schließlich auch aktiv die Unsicherheit im Discovery-Feld berührt: „full-text search and text mining“ müssten in einer idealen Forschungslandschaft eigentlich „full-semantic search and semantic text mining“ lauten. Bis dahin ist der Weg freilich noch sehr weit.

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