41 Apps als Brücke zwischen Print und Digital. Das Beispiel Mosaik Magic.

2015-03-31

Bisweilen entdeckt man gute Hinweise auf Möglichkeiten erweiterter Publikationen auch an eher nicht primär im Focus stehenden Stellen. So berichtete unlängst der Tagesspiegel über digitale Erweiterung der Comic-Zeitschrift Mosaik und teasert

„Unter dem Slogan „Das magische Auge“ führt der Mosaik-Verlag jetzt vor, wie sich klassische Print-Produkte elektronisch erweitern lassen“.

Der interessante Aspekt des Ansatzes ist, dass nicht etwa die Printzeitschrift als elektronische Version nachgebildet wird, sondern dass man die Printausgabe per Smartphone-App namens Mosaik Magic um Mehrwertdienste, also die digitale Interaktion mit der gedruckten Vorlage ergänzt:

„Die entsprechenden Seiten werden mit dem Smartphone gescannt und schon bekommt man interessante Zusatzinformationen geliefert. Das können kurze Filme sein, die den Entstehungsprozess der entsprechenden Seite zeigen, oder auch Hintergründe zu den gerade laufenden Geschichten.“

Band das Mosaik traditionell solche Zusatzangebote als Sonderseiten in die Mitte der Hefte, werden sie also nun in aus dem Druckbild direkt aktivierbar auch auf dem Smartphone und damit offenbar auch multimedial sichtbar. (Einen Erfahrungsbericht mit der APP gibt es bei Splashcomics.de.)

Es liegt auf der Hand, derartige Verfahren auch in wissenschaftlichen Lehrbüchern und anderen Druckpublikationen anzuwenden. Mittels QR-Code lassen sich beispielsweise weiterführende Inhalte, Diskussionsforen zu den Texten oder auch Forschungsdatensätze unmittelbar in mit einem gedruckten Inhalt verbinden. Die Lücke, die bleibt, ist, dass sich diese Praxis eher für mobile Geräte, also Smartphones oder Tablets eignet. Für die Desktopwissenschaft benötigt man dagegen eher wieder möglichst leicht abtippbare Short-URLs.

Generell bleibt bei all diesen Verbindungen mindestens zwei Herausforderungen. Die erste dürfte darin bestehen, die Verknüpfungen auch zeitstabil dauerhaft eindeutig vorzuhalten, was nichts anderes bedeutet, als die Verbindung vom scannbaren Symbol oder der Kurzadresse zu einem entsprechenden auf das jeweilige Objekt weisenden persistenten Identifikatoren zeitoffen abzusichern.

Die zweite liegt dagegen wie bei allen trackbaren Interaktionen zwischen Mensch und Inhalten im Datenschutz. So könnte man prinzipiell anhand der Abrufprofile zu Lehrbüchern nachprüfen, welcher Appnutzer wann welchen Inhalt angesehen hat. Als Big-Data-Pool ist es für die Inhaltsoptimierung sicher praktisch. Bei E-Books wird ein Rezeptionsmonitoring vermutlich aus ähnlichen Gründen attraktiv.

Nun dringt möglicherweise in Printbücher, wovor bereits im Kontext des E-Learnings gewarnt wurde. Auch wenn zum Beispiel Madeth May und Sébastien George den Aspekt in einer Art Zweistufenverfahren abzusichern meinen:

„Firstly, we always inform users of any tracking process when they access learning platforms or use CMC tools. Secondly, only on approval of users that any tracking process can take place.“ (May, George, 2011)

stellt sich hier die klassische Frage aller soziodigitalen Monitoringverfahren, wie perspektivisch bei einer breiten Etablierung solcher Lektürepraxen überhaupt Opt-out-Möglichkeiten realisiert werden können, ohne dass ein Opt-out gleichzeitig zu einem Pauschalverdacht führt. Die Frage stellt sich selbstverständlichen bei allen trackbaren Lektüreformen. Das granulare Aufzeichnen von Interaktionen mit Druckmedien per App wäre aber ein neuer Schritt, der zumindest informationsethisch gründlich durchreflektiert werden sollte.

(31.03.2015)

Martin Jurgeit (2015): Der Zukunft zugewandt – die Abrafaxe digital. In: Tagesspiegel.de, 29.03.2015

Madeth May, Sébastien George (2011): Using Students’ Tracking Data in E-learning: Are We Always Aware of Security and Privacy Concerns? In: IEEE International Conference on Information and Education Technology (ICIET 2011), http://liris.cnrs.fr/Documents/Liris-5378.pdf

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