7 Warum der allgemeine E-Book-Markt für Fu-PusH relevant ist

2014-11-18

„Apropos gemeinsames Nachdenken: Wir glauben, dass verhärtete Fronten generell keine gute Idee sind und dass die gegensätzlichen Pole von technikfeindlichen Ebook-Verächtern auf der einen und den sämtliche Verlagsmauern niederreißenden Digitaljüngern auf der anderen Seite zugespitzt und konstruiert sind. Verlage und Papierbücher (vor allem die sorgsam gestalteten und hergestellten) wird es glücklicherweise noch sehr, sehr lange geben, genau wie spannende Digitalveröffentlichungen.“

meinen die beiden CulturBooks-Verleger Zoë Beck und Jan Karsten in einer Positionierung im buchreport.blog (Die (un-)sichtbaren Ebooks, 17.11.2014).

Wenngleich sich die Aussage genauso wie das Programm des Verlags auf Literatur und den so genannten Publikumsmarkt bezieht, ist eine Beobachtung entsprechend Trends für uns schon deshalb interessant, weil die sehr auf Monographien gerichteten Geisteswissenschaften häufig direkt an der Schnittstelle zu diesem Markt publizieren. Es gibt eine ganze Reihe von WissenschaftlerInnen besonders im kunst- und kulturwissenschaftlichen Spektrum die in Publikumsverlagen publizieren und direkt mit einem dezidiert öffentlichen Lesepublikum in Verbindung stehen.

Wenn wir also über zukünftige Publikationsmodelle in den Geisteswissenschaften nachdenken, dann gilt es unbedingt die Dimension zu berücksichtigen, die man einmal als Suhrkamp-Kultur bezeichnete. Elektronische Publikationen in diesem Bereich dürften vorerst und auch perspektivisch weniger von aus der Wissenschaftsinfrastruktur und der Open-Access- bzw. Open-Science-Bewegung angeregten enhanced oder offenen Dokumentenstrukturen geprägt sein.

Der Maßstab der technischen Entwicklung solcher vor allem auch auf den Einzelabsatz an Privatpersonen gerichteten Veröffentlichungen wird vermutlich hauptsächlich aus der Richtung des allgemeinen Buchmarktes kommen. Will man, auch als Infrastrukturvermittler in der Wissenschaft, Brücken zu dieser sehr etablierten und gesellschaftlich sichtbaren Art von Wissenschaftskommunikation bauen, muss man die Lösungen und Entwicklungen der vielfältigen E-Book-Szene, -Start-Up-Kultur und auch bei den etablierten Verlagen im Blick behalten. Dass diese vermutlich weniger enhanced sein werden, als es technische Möglichkeiten zulassen und sich zugleich weitaus stärker der Druckkultur verbunden fühlen, gehört dazu. Wichtig ist daher der Aufruf zur Offenheit nicht nur der Publikationsformen sondern auch der Perspektiven darauf. Publikationsmodelle, die nah an den Zielgruppen entwickelt werden sollen, stehen also vor der Herausforderung, technisch machbare, kalkulatorisch sinnvolle und von den Rezipienten gewünschte Varianten, darunter auch Hybridformen von digital und Papier, in Balance zu bringen.

Zugleich ist nicht zu erwarten, dass die AutorInnen solcher Bücher mit einer übergroßen Reichweite und einem, bei richtiger Vermittlung und Erfolg, auch im Vergleich überproportionalen Reputationsgewinn, aufhören werden, Teil dieser Publikationskultur sein zu wollen. Denn dank dieser Teilhabe und Ausstrahlung in extrawissenschaftliche Bereiche und der damit verbundenen direkten Einbindung in übergreifende Gesellschaftsdebatten und -diskurse sind sie häufig die sichtbarsten Protagonisten ihrer Fachkulturen und auch aus diesem Grund zentrale Dialogpartner wenn man über die Zukunft des geisteswissenschaftlichen Publizierens spricht.

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