Das Fu-PusH-Weblog

2014-10-13

Wenn ein Projekt in seiner Beschreibung vermerkt:

„Mit dem beantragten Vorhaben sollen die Anforderungen an ‚future publications’ in den Geisteswissenschaften ermittelt werden, die sich nicht mehr am Vorbild und an der Wertschöpfung gedruckter Formate orientieren, sondern denen die originären Potenziale digitaler Medien zugrunde liegen.“ (Fu-PusH, 2014)

dann sollte es selbstverständlich selbst seine Aktivitäten im Sinne einer Kommunikation mit der Community nicht nur in traditionellen und erfahrungsgemäß für Projektrhythmen auch etwas behäbigen, formalisierten Publikationsformen wie zum Beispiel Zeitschriften- oder Konferenzbeiträgen sichtbar machen. Die Nutzung von begleitenden Publikations- und Kommunikationsmitteln aus dem Umfeld des vor etwa einem Jahrzehnt etablierten Web 2.0 ist heute in vielen solchen Zusammenhängen fast als Standard zu betrachten. Für Fu-PusH gibt es diesbezüglich konkret einerseits einen Twitter-Stream – @fupush – den wir twitter-typisch als Kurznachrichten- und Vernetzungsmedium benutzen werden. Und anderseits dieses Weblog.

Wir werden das Blog ab heute über die Laufzeit des Projektes regelmäßig mit Beiträgen füllen. In diesen soll es nicht nur um Inhalte gehen, die auf einer übergeordneten Ebene das Projekt selbst betreffen, sondern auch um Entwicklungen, Veröffentlichungen und Ideen aus dem Feld des digitalen Publizierens in den Geisteswissenschaften besonders mit dem Zuschnitt auf die so genannten „enhanced publications“.

Grob definiert versteht man unter „enhanced publications“ Publikationsformen, die über eine digitale Nachbildung von Druckmedien hinausgehen und zum Beispiel mit Zusatzdiensten und Multimedia-Materialien angereichert sowie hypertextuell und/oder semantisch vernetzt sind. Technisch, konzeptionell und zum Teil auch bereits in der Anwendung sind diese Publikationsformen selbstverständlich schon ziemlich gegenwärtig. Allerdings und besonders in den Geisteswissenschaften befinden sie sich bislang zumeist in einem sehr frühen, oft noch experimentellen, in jedem Fall offenem Stadium. Die Entwicklung derartiger Kommunikationsformen beginnt in großer Reichweite tatsächlich erst jetzt und steht an vielen Stellen in intensiver Wechselwirkung und Abhängigkeit zu übergeordneten Trends digitaler Publikations- und Kommunikationstechnologien.

Die im Fu-PusH-Projekt vorgesehenene Modellierung von Publikationsszenarien für den Einsatz von „enhanced publications“ in der geisteswissenschaftlichen Fachkommunikation, die oft mehr Dokumentensystemen (oder Informationssystemen, vgl. auch Bardi, Manghi, 2014) als abgeschlossenen Dokumentationseinheiten ähneln, wird diese diversen Stränge bündeln, auf die Bedingungen der Wissenschaftskommunikation in den Geisteswissenschaften rückzuspiegeln und exemplarisch explizieren. Nicht zuletzt dafür ist es notwendig, sich auch mit den begrifflichen und diskursiven Elementen des Betrachtungsfelds auseinandersetzen und möglicherweise sogar ein angemessenes Beschreibungsvokabular erst zu entwickeln. Entsprechende Überlegungen werden ebenfalls ihren Platz in diesem Weblog finden, das in dieser Hinsicht auch die Rolle eines Forschungstagebuchs übernehmen kann.

Naturgemäß spielt in dem besonderen Zuschnitt auf die Geisteswissenschaften auch die Frage eine zentrale Rolle, wie sich die Forschungspraxis dieser Disziplinen unter anderem unter dem Einfluss der so genannten „Digital Humanities“ entwickeln wird, genauso wie wissenschaftspolitische Richtungsentscheidungen – wie Diskussionen im Bereich Open Access und Open Science zeigen – als Rahmenbedingung maßgeblich sind. Wir beobachten diese angrenzenden Bereiche selbstverständlich ebenfalls und werden versuchen, diesbezüglich fruchtbare Anschlusspunkte für die Erkenntnisse unseres Projektes herauszuarbeiten und je nach Relevanz für den engeren Projektgegenstand auch hier abbilden. Wie in der näheren und entfernteren Zukunft wirklich in den Geisteswissenschaften kommuniziert wird und nicht zuletzt, wie wissenschaftliche Bibliotheken damit am besten umgehen, ist von vielen Faktoren abhängig. Fu-PusH wird für diese komplexe Gemengelage sicher keine große Lösung, aber doch einen sehr sinnvollen Baustein liefern. Dieses Weblog wird dokumentieren, wo wir auf dem Weg dahin jeweils stehen.

Das Fu-PusH-Team freut sich sehr über Anregungen, Ergänzungen und Hinweise zum Blog, zum Projekt und zum Thema:

  • Ben Kaden – ben.kaden@ub.hu-berlin.de
  • Michael Kleineberg – michael.kleineberg@ub.hu-berlin.de
  • @fupush

Offizielle Projekt-Website:

https://www.ub.hu-berlin.de/de/ueber-uns/projekte/fu-push-1/

Quellen

Alessia Bardi; Paolo Manghi (2014). Enhanced Publications: Data Models and Information Systems. In: LIBER Quarterly, Vol. 23, Nr. 4, S. 240-273, apr. 2014. (Ein ausführliches Referat dieses Aufsatzes gibt es auch im LIBREAS:Tumblr.)

Fu-PusH (2014). Future Publications in den Humanities (Fu-PusH) – Beschreibung des DFG-Projekts. Arbeitspapier. Berlin: Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität. PDF-Download

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